Chhyogel


Chhyogel: Ein bewunderswerter junger Mann

Chhyogel ist 14 Jahre alt und kommt aus einem Dorf im Khotang-District in Ost-Nepal. Seine Mama ist gestorben, als er gerade mal drei Jahre alt war. Man merkt an seiner rationalen Ausdrucksweise, dass der junge Sherpa-Mann die Geschichte schon sehr oft erzählt haben muss – aber dennoch stimmt sie einen traurig, wenn man ihm dabei zuhört:

Sein Vater war gleichzeitig mit zwei Frauen verheiratet:
Mit seiner „älteren Mama“, wie er sie nennt und mit seiner „echten Mama“, die deutlich jünger war. Es war sicherlich nicht leicht für ihn - auch weil er das einzige Kind seiner leiblichen Mutter war, die anderen Geschwister waren also nur Halbgeschwister, die „ältere Mama“ sehr dominant war, es ständig Streit zwischen den Frauen gab und sein Vater oft als Mediator eingreifen musste. Chhyogel erzählt, dass er schon als Kind – wie es in den Bergdörfern leider bis heute noch Usus ist - viel gearbeitet hat. Nach dem Tod seiner Mutter ist der junge Bursch größtenteils bei seinem Onkel und seiner Tante aufgewachsen und hat in seinem Dorf zunächst die staatliche Primary School besucht, die er als sehr dreckig beschrieben hat und von deren Qualität er alles andere als begeistert war.

Als Chhyogel 2009 im Alter von acht Jahren als einer der damals 32 SchülerInnen für das EcoHimal Projekt ausgewählt und in der Privatschule in Kathmandu aufgenommen wurde, musste er zunächst u.a. aufgrund mangelnder Englischkenntnisse gemeinsam mit den Schulanfängern eingestuft werden. Das war mit Sicherheit keine leichte Zeit für ihn – doch der engagierte und ehrgeizige Schüler hat sich umso mehr ins Zeugs gelegt: Er hat Extra-Lerneinheiten eingelegt, schon bald die Stufen übersprungen und erste Preise als Klassenbester abstauben können, mit denen er die Lieben zuhause im Dorf ordentlich überrascht hat, wie er schmunzelnd erzählt.

Zu seinem Vater hat Chhyogel übrigens keinen Kontakt mehr, da er das Dorf verlassen hat und keiner seinen genauen Aufenthaltsort kennt. Sein Onkel vermutet, dass er mittlerweile Arbeit in Indien gefunden hat und dort ein neues Leben begonnen hat.

Wenn Chhyogel beschreibt, wie es ihm ergangen ist, als er 2009 von seinem Dorf in Ost-Nepal in die Hauptstadt Kathmandu gezogen ist, erinnert einen das fast an den Hollywood-Liebesfilm „Kate & Leopold“ aus dem Jahr 2001, in dem sich Meg Ryan in den in einem früheren Jahrhundert geborenen Hugh Jackman verliebt. Chhyogel muss es wohl ganz ähnlich wie Leopold ergangen sein, nur mit dem Unterschied, dass seine Geschichte keinem Drehbuch entsprungen ist: Sein Onkel habe ihn für das Programm angemeldet und so unglaublich glücklich seien sie alle gewesen, dass ausgerechnet er vom Dorf-Komitee für das Programm ausgewählt wurde. Schon eine Woche nach der erfreulichen Nachricht hat sich der junge Sherpa auch schon in der lauten Hauptstadt wiedergefunden: Zum ersten Mal in seinem Leben hat er Autos oder Tuk-Tuks gesehen, von Berg-Idylle und Ruhe keine Spur mehr. Es muss hart gewesen sein, alleine in einer komplett neuen Welt mit seinen gerade mal acht Jahren.

Und umso mehr freut es einen, wenn man sechs Jahre später einem fast schon erwachsenen Chhyogel gegenübersitzt, der politisch bewandert seine Meinung zur Entwicklung in Indien (Anm.: Terai-Blockaden) kund tut, stolz über die Besonderheiten seines Heimatlandes berichtet und für sein Alter unglaublich konkret seine bereits klar definierten Zukunftspläne artikuliert: Für ihn steht fest, dass er seine Heimat nach Abschluss seiner Ausbildung nicht verlassen wird. Er möchte Arzt werden und anschließend wieder in sein Dorf in Khotang zurückkehren, um den Leuten vor Ort zu helfen. Denn schließlich haben die Menschen dort aufgrund der Abgeschiedenheit kaum Zugang zu medizinischer Versorgung, was der intelligente junge Sherpa unbedingt ändern möchte, wie er voller Tatendrang erzählt.

Um dieses Ziel zu erreichen, macht der ehrgeizige junge Mann alles nur in seiner Macht Stehende: Täglich absolviert der sportliche Bursch in der Früh sein Fitness-Training (bestehend aus Yoga, Fitness, Laufen und Taekwondo), um sich anschließend noch vor dem Frühstück seinen Schulbüchern zu widmen. Der clevere junge Mann weiß genau, wie wichtig ein gesunder Körper ist und dass nur durch ausreichend Bewegung gute Leistung erbracht werden kann. Und somit ist Chhyogel nicht nur ein ausgezeichneter Schüler mit Mathematik und Wissenschaft als Lieblingsfächer, sondern zudem ein höchsttalentierter Taekwondo-Kämpfer, Cricket-, Basketball- und Fußball-Spieler.

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